Du hast endlich deinen Ausbildungsvertrag in der Tasche und freust dich mega auf den Start in deinen Beruf. Doch nach dem ersten Überblick über die Ausbildungsvergütung kommt schnell die Ernüchterung: So richtig viel bleibt zum Leben oft nicht übrig. Hier kommen staatliche Förderungen ins Spiel! Viele Azubis wissen wahrscheinlich gar nicht, wie viele finanzielle Hilfen ihnen tatsächlich zustehen. In diesem Beitrag zeige ich dir übersichtlich, welche Unterstützung du bekommen kannst und wie du ganz unkompliziert an dein Geld kommst.
2. Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) – wenn das Azubi-Gehalt nicht reicht
Die Berufsausbildungsbeihilfe, kurz BAB, ist der Klassiker unter den Förderungen für Azubis. Sie ist dazu da, deine monatlichen Kosten zu decken, wenn das Ausbildungsgehalt einfach nicht reicht. BAB können alle beantragen, die eine betriebliche (nicht schulische) Ausbildung machen und nicht mehr bei den Eltern wohnen können (z. B. weil der Ausbildungsbetrieb zu weit weg ist).
Voraussetzungen:
- Alter: Keine spezifische Altersbegrenzung, aber meistens jugendliche und junge erwachsene Auszubildende
- Du machst eine staatlich anerkannte, duale (betriebliche) Ausbildung
- Dein Wohnort ist nicht bei deinen Eltern (Ausnahme: Urlaubsregelung oder bestimmte Härtefälle)
- Dein eigenes Einkommen, das Einkommen deiner Eltern und deines Ehepartners/Partners wird berücksichtigt
Beträge:
Die Höhe der BAB ist individuell und hängt von deiner Situation ab. Stand 2024 beträgt der maximale Förderbetrag bis zu 823 Euro im Monat (je nach Unterkunft und persönlicher Situation).
So beantragst du BAB:
- Direkt bei der Bundesagentur für Arbeit (online oder vor Ort)
- Benötigte Unterlagen: Ausbildungsvertrag, Kostennachweise (z. B. Miete), Einkommensnachweise von dir und deinen Eltern
- Antragstellung möglichst gleich zu Beginn der Ausbildung
Tipp: Du bekommst BAB in der Regel rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung. Nicht zu lange warten!
3. Kindergeld – auch für volljährige Azubis
Kindergeld gibt’s nicht nur für Kids und Jugendliche. Solange du in der ersten Ausbildung bist und noch keine 25 Jahre alt bist, haben deine Eltern weiterhin Anspruch auf Kindergeld. Das klingt erstmal so, als hätten nur sie etwas davon, doch meistens geben Eltern das Kindergeld für Miete, Lebensunterhalt oder Ausbildungsbedarf weiter.
Beträge (Stand 2024):
- Pro Kind: 250 Euro monatlich
Voraussetzungen:
- Du bist in einer ersten Ausbildung (dazu zählen auch Bachelor-Studium oder Meisterkurse)
- Du bist noch keine 25 Jahre alt
So wird Kindergeld beantragt:
- Direkt bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit
- Eltern müssen den Antrag stellen
- Benötigte Unterlagen: Ausbildungsnachweis, ggf. Immatrikulationsbescheinigung
4. Wohngeld – wenn die Miete einfach zu hoch ist
Wenn du zwar kein Anspruch auf BAB hast oder nur ein sehr kleines Einkommen hast, kannst du als Azubi unter Umständen Wohngeld beantragen. Besonders, wenn deine Ausbildungsvergütung einfach zu niedrig ist, um die Miete zu bezahlen, lohnt sich ein Blick auf diesen Zuschuss.
Voraussetzungen:
- Kein Anspruch auf BAB (entweder, weil du in schulischer Ausbildung bist oder BAB abgelehnt wurde)
- Du zahlst Miete für deine eigene Wohnung oder WG-Zimmer
- Gewisse Einkommensgrenzen dürfen nicht überschritten werden (je nach Region und Haushaltgröße unterschiedlich)
Beträge:
Der genaue Betrag ist abhängig von Einkommen, Mietkosten, Wohnort und der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Im Schnitt kann das Wohngeld zwischen 80 und 370 Euro betragen.
So beantragst du Wohngeld:
- Beim örtlichen Wohngeldamt der Stadt oder Gemeinde
- Antragsformulare gibt’s online oder direkt vor Ort
- Benötigte Unterlagen: Mietvertrag, Einkommensnachweise, Ablehnungsbescheid BAB, gegebenenfalls Ausbildungsnachweis
5. BAföG für Azubis in schulischer Ausbildung
Nicht jeder macht eine klassische duale Ausbildung. Wenn du eine schulische Ausbildung (z. B. Erzieherin, Physiotherapeutin oder an einer Berufsfachschule) machst, hast du meist keinen Anspruch auf BAB. Dafür steht dir aber oft das sogenannte Schüler-BAföG zu.
Voraussetzungen:
- Du absolvierst eine schulische Ausbildung an einer staatlich anerkannten Ausbildungsstätte (keine rein betriebliche Ausbildung)
- Dein eigenes und das Einkommen deiner Eltern wird geprüft
Beträge:
Maximal kannst du aktuell 964 Euro pro Monat BAföG bekommen (Stand 2024, abhängig von Wohnsituation und anderen Faktoren).
So beantragst du Schüler-BAföG:
- Beim Amt für Ausbildungsförderung deiner Stadt/Gemeinde oder online
- Unterlagen: Ausbildungsnachweis, Nachweise über Einkünfte, Immatrikulationsbescheinigung etc.
Wichtig: Das Schüler-BAföG muss – im Gegensatz zum normalen Studenten-BAföG – nicht zurückgezahlt werden!
6. Weitere nützliche Tipps und Tricks für Azubis
- Fahrtkostenerstattung: In manchen Bundesländern oder Branchen bekommst du die Kosten für deine Fahrten zur Ausbildungsstätte erstattet. Frag beim Ausbildungsbetrieb oder der Berufsschule nach!
- Sozialleistungen: Unter bestimmten Umständen können auch Leistungen wie das Bildungs- und Teilhabepaket für Klassenfahrten, Nachhilfe, Sport- oder Musikvereine beantragt werden.
- Vergünstigungen: In vielen Städten gibt’s Azubi-Tickets für den Nahverkehr, günstigere Handyverträge oder mit dem Internationalen Studentenausweis sogar Rabatte im Ausland.
7. So findest du die passenden Förderungen für dich
Die Vielzahl der Optionen kann einen schnell überfordern. Auf Plattformen wie azubifinanzen.de findest du Vergleichsrechner und Tipps speziell für Auszubildende, damit du schnell checken kannst, was dir zusteht. Nutze die Rechner für BAföG, Wohngeld oder Kindergeld, um einen ersten Überblick zu bekommen. Scheu dich nicht, dich beraten zu lassen: Viele Beratungsstellen helfen kostenlos und unverbindlich weiter.
8. Fazit: Hol dir, was dir zusteht!
Als Azubi stehst du finanziell nicht allein da. Es gibt zahlreiche Förderungen und Zuschüsse, die dir helfen, die Ausbildungszeit zu meistern. Informiere dich frühzeitig, stelle die notwendigen Anträge und lass dich nicht von Formularen abschrecken – es lohnt sich! Und falls du eine persönliche Beratung oder weitere Spartipps brauchst, findest du auf azubifinanzen.de alles, was du brauchst, damit du während deiner Ausbildung sorglos durchstarten kannst.